Lachen...

Dieser Tage erschien in den Kathechetischen Blättern (Kösel-Verlag) eine stark

gekürzte Unterrichtseinheit über “Lachen und Humor” als Thema im Religionsunterricht.

Hier die ungekürzte Fassung! Besonders das Gedicht  lachen1

 und der ErzählText über meinen Lieblingsheiligen  Ner1 . . .

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Humor ist, wenn man trotzdem...

Praxisanregungen Sek. I zum Thema: „Lachen im RU – Schule der Freude“

Analyse der Lerngruppe einmal anders...

...nämlich von „hinten“! Zuweilen treffe ich Schüler/innen von früher: beim Einkaufen, beim Kinderwagenschieben, im Eissalon und anderen „existenziellen Orten“. Also in den diversen Konsumtempeln, bei der Freizeitgestaltung und als inzwischen selbst Erziehende. Und da frage ich mich schon: Auf welche dieser drei wesentlichen Selbstvollzüge mehr oder weniger erwachsenen Lebens haben wir sie bei uns im (Religions-)Unterricht eigentlich wirklich vorbereitet!? Sie werden sagen: "Rechnen können, Schilder lesen!" Zwei mäßige Erfolge, die eher die Grundschule verbuchen dürfte. Was also konnte man bei uns lernen?    

Mir fällt der Lieblingsspruch von meinem ehemaligen Chef ein, der immer seinen Oberstufenlehrer aus dem Gymnasium der frühen fünfziger Jahre zitiert, der zu seinen Schülern gesagt habe: „Meine Herren, Sie müssen lernen, sich mit Anstand zu langweilen!“ Ist es das?

Frage ich heute Ehemalige nach ihrer Schulerfahrung bei uns, dann fallen sofort die Namen von Personen. Die Lehrer/innen/persönlichkeit wird erinnert mit ihren Eigenarten und Skurrilitäten, aber auch gerade mit ihrem Bemühen um Fairness und Sympathie für die Belange der Schüler/innen. Gut, viele Bildungsinhalte sind so in Fleisch und Blut übergegangen, dass man des Prozesses ihres Erlernens eben kaum noch gewahr wird. Und weil die Misserfolge, die Enttäuschungen und Verletzungen offensichtlich schwerer auf dem Herzen liegen, als hätten sie psychisch ein höheres spezifisches Gewicht als die positiven Erfahrungen und Erfolge, darum erinnert man eben auch mehr den Frust und manche Schinderei und andererseits den schadenfrohen Schabernack und manchen bösen Streich, mit dem man sich rachelüstern meinte, wenigstens etwas schadlos halten zu müssen an den ach so schlimmen Lehrern.             

Heutzutage muss eine Woche Schule die Entspannung liefern für ein stressiges Wochenende und die zahlreichen Nachmittagsjobs, mit denen junge Leute gegenwärtig einen nicht unbedeutenden Teil ihres Lebensstandards selbst finanzieren. Der Montag ist, was Disziplin und Konzentration betrifft, inzwischen der schlimmste Schultag. Mit dem Bildungsauftrag der Schule ist es ohnehin immer mehr Essig, weil sie immer mehr Erziehungsaufgaben von der Familie übernehmen und häuslichen Beziehungsstress ausgleichen muss. Und mittlerweile „er-zieht“ man nicht mehr an den Ohren und auch kaum noch mit Leistungsdruck. Die Überdruckventile, je nach Charakter als Aggression oder Depression, sind so empfindlich, dass Jugendliche bei geringen Belastungen sofort "Dampf ablassen" und die „Luft schnell raus“ ist.

Wo erfahren Kinder und Jugendliche bei uns Erwachsenen, dass denken zum Beispiel nicht nur Mühe, sondern eventuell sogar Vergnügen macht? Dass Leistung nicht nur mühsam die Existenz sichert, sondern auch Spaß machen kann? (Das wäre doch eine feine neue Variante für die Spaßgesellschaft!) Schüler wissen heute, dass sie nicht für die Schule lernen. Aber sie erfahren ebenso, dass sie bei uns kaum fürs Leben lernen, eher für die Katz. So empfinden sie es jedenfalls vielfach. Heute müssten wir Lehrer überzeugen. Aber wie und wofür in unserer "Anything-goes-Gesellschaft"? Heute müssten wir Lehrer/innen mithalten können als Alleinunterhalter und Löwendompteure im Affenzirkus. Schule als Entertainment, sonst kommt die Null-Bock-Keule? Allerdings - bei all der multimedialen Unterhaltungssucht - Außenstehende würden sich wundern, wahrscheinlich erschrecken, wenn sie sehen würden, wie wenig die Kinder und Jugendlichen heute lachen, so richtig herzerfrischend und tränentreibend lachen, nicht zynisch und aus Schadenfreude, sondern aus Freude und weil sie froh wären und etwas Sinn empfänden in dem, was wir Erwachsenen mit ihnen in der Schule anstellen. Was haben Kinder und Jugendliche heute wirklich zu lachen? Das ist eine der Kernfragen der Zukunft der Schule, nicht erst seit „Pisa“. Und das widerspricht keineswegs dem "Ernst des Lebens", auf den sie vorbereiten soll.

 

Selbstanalyse der Lehrperson         

Und wir Lehrer/innen? Was nützt die beste Analyse der Lernvoraussetzungen, wenn wir uns nicht selbst reflektierend dazuzählen, unsere Lehrvoraussetzungen? Die meisten von uns haben den Lehrer/innen-Beruf ergriffen, weil wir vielleicht Englisch lieben oder die Religion, schon seltener weil wir Kinder lieben und ihnen beim Wachsen und Reifen helfen wollen. So geben wir jede Menge Noten, aber „Zeugnis“? - Zeugnis geben wir nicht. Habe ich Humor? Darf in meinem Unterricht gelacht werden? Vielleicht sogar ganz offen über mich? Gibt es (möglichst viele) spürbar frohe Momente im Miteinander? Nehmen wir die Schüler/innen – gerade in Religion – als ganze Person wahr und nicht nur ihre „fachspezifischen Hirn- und Herzenssegmente“? Empfinde ich überhaupt Freude und kann sie ausdrücken, wenn Kinder tolle Fragen und Antworten in den Unterricht einbringen? Kann ich sie spüren lassen, dass mein Unterricht von ihnen lebt, eigentlich mehr als von mir und meinen besten Vorbereitungen? Ich persönlich wage mich an das Thema „Lachen und Humor im RU“ heran, weil ich glücklich bin über die vorherrschende Erfahrung gegenseitiger Sympathie als Arbeitsgrundlage, weil mir unterrichten auch nach 24 Jahren immer noch Freude macht und weil mich die Schulrealität bisher nicht in den Zynismus oder andere Formen der inneren Emigration zwingen konnte...


Fast (k)eine Sachanalyse

Der Gegenstand des RU ist die sogenannte „Frohe Botschaft“ des Jesus von Nazaret. Inhaltlich ist „froh“ eine Steigerung von „gut“ in Richtung „Freude“. Auf welche Weise aber ist die christliche Botschaft „froh“? Ist sie auch „fröhlich“? Oder anders gefragt: Wie hängt sie mit dem, was für den Menschen allgemein „Freude“ bedeutet, zusammen? „Heil und Erlösung“, „(Oster-)Jubellieder“, „Halleluja!“ sind religiös relevante Begriffe, die theoretisch im RU vorkommen. Wie stehen sie praktisch mit Freude in Verbindung? Wo und wie ist ihr Inhalt zu erfahren? Noch einmal anders gefragt: Kann über die Fährte menschlicher Freude in Lachen und Humor ein Zugang gefunden werden zum Kern, besser in das „Herz“ der christlichen Lehre, in die Frohe Botschaft? Ziel: Die Unterrichtsreihe soll den Jugendlichen Spuren liefern, was christliche Religion zur „wahren Freude“ des Menschen beitragen will.


So möchte ich also im RU der Sek I etwas zum Thema „Lachen“ machen. Die hier vorgestellten Materialien und Ideen habe ich in je verschiedener Intensität in den Klassen 6, 7 und 9 erprobt. Die leicht mögliche Verortung im alten und im neuen Lehrplan überlasse ich der geneigten Leserschaft. Mich leiten folgende Motive:


1. Im Leben der Schüler/innen untereinander nehme ich vieles wahr, was angeblich „nur aus Spaß“ geschieht, allerdings kein bisschen lustig ist!

In der siebten Klasse sprachen wir vor Kurzem über den Unterschied von „Glück haben“ und „glücklich sein“. Sabrina brachte das Ergebnis auf den feinen Punkt: „...dann könnte man also sagen: Glück haben ist gegenüber glücklich sein oft nur ein kaltes Glück!“ Analog dazu schlug ihre Freundin Lea nun vor, von „kaltem“ und „warmem“ Lachen zu sprechen. Auch beim Humor-Begriff lassen sich ein gegenwärtiger und ein klassischer Begriff kontrastierend gegenüberstellen: Heute verstehen viele Leute Humor schlichtweg als allgemeinen Oberbegriff für jede Art von Lachen. Demnach gilt jemand, der z.B. eine Gesellschaft durch Witze unterhalten kann, als humorvoll. Humor als „Freizeit-Unterhaltungsprogramm“. Klassisch ist der Humor eine alltägliche Seelenhaltung optimistischer Lebensbewältigung. Humor als existenzielle Charakterhaltung, die sogar gänzlich ohne Witze auskommen kann.

Ziele: Ich möchte mit den Schüler/inne/n die Spannung von „gutem“, „bösem“ und „traurigem Lachen“ herausarbeiten. Außerdem sollen sie ihr Gespür dafür verfeinern, wann Humor und Lachen echt sind und was sie bewirken können, welche Macht und Kraft also in ihnen stecken. Schließlich sollen sie die „körperlichen Steigerungsformen“ des Lachens herausfinden.

2. Mit den älteren Schüler/inne/n möchte ich das die Wirklichkeit transzendierende Moment von Humor und Witz näher untersuchen. (Vgl. den Artikel von August Heuser in diesem Heft). Humor und Witz, besonders Ironie und Satire übersteigen die faktische Realität und ihre Kausalitätsmuster auf überraschende Weise in Richtung Utopie, Vision und ganz andere, neue, „ersehnte bessere“ Wirklichkeiten, in denen sich „oben und unten“, „stark und schwach“, „arm und reich“ etc. umkehren können. So lehren sie Optimismus. So machen sie Mut und zeigen Wege zu Zivilcourage und zur „Macht der Ohnmächtigen“. So praktizierter Humor wird zur „Schule der Hoffnung“ und zur „Schule der Transzendenz“.

Ziel: Die Jugendlichen sollen erkennen, dass – vorgängig zu jeder Religion – (teilweise utopische) Hoffnungsstrukturen wesentlich zum Menschsein gehören und dass in solchen Hoffnungsbildern eine bessere Wirklichkeit nicht nur ersehnt und entworfen wird, sondern anfanghaft sogar schon beginnt (Antizipation neuer Wirklichkeit; die Zukunft beginnt im Kopf und Herz des Menschen).


3. Die Unterscheidung von „warmem“ und „kaltem Lachen“ bekommt im nächsten Schritt zusätzliche Relevanz, wenn wir miteinander den Blick weiten und die allgegenwärtige „Spaßgesellschaft“ und ihren Humor, besonders den kommerziellen Humor der Medien untersuchen.

Mein Ziel: „Humor ist, wenn man - sich enthalten kann!“ ist sicherlich kaum zu erreichen, darum sollen die Schüler/innen zumindest nachdenklich werden, wenn die gesellschaftliche „Hierarchie der Lachgründe“ die verschiedenen Spielarten des „kalten“ Lachens gegenüber dem „warmen“ als Spitzenreiter ausweist.


4. Gleichzeitig entdeckt die Gesellschaft neu den Zusammenhang von Humor und Gesundheit: Lachen als Therapie! Frage: Warum ist die Kirche eigentlich kein „Lach-Club“? Die Heilungen Jesu richten sich wesentlich auf körperliche Störungen im psychosomatischen „Bewegungs- und Beziehungsapparat“ des Menschen: besessen, gelähmt, blind, taub, stumm, aussätzig, toter Freund (Lazarus), tote Tochter (des Jairus), niemals z.B. auf Knochenbrüche, Amputationen, innere Organerkrankungen, einsame Tote etc. Nicht selten ist der Schlüssel zur Heilung die Sündenvergebung. Man kann also sagen, den Menschen, denen aus eigener Schuld oder sonstigen Gründen im Verlust von eigener Vitalität und Sozialkontakten „das Lachen vergangen ist“, denen schenkt er es wieder. Die gleiche heilsame Wirkung zu entfalten, hat Jesus seine Jünger und seine Kirche gesendet

Ziele: Die Schüler/innen sollen Informationen zum Stichwort „Lachen ist gesund“ zur Kenntnis nehmen, Rückschlüsse von der körperlichen auf die seelische Gesundheit ziehen und schließlich an Wundergeschichten Jesu (möglichst kreativ) feststellen, wie Jesus den Menschen mit der Gesundheit eigentlich Glück und Freude (wieder-) schenken möchte. Heilung ist eben mehr als nur Gesundmachen.


5. Lustig ist Jesus, wie ihn die Bibel vorstellt, offensichtlich nicht. Nur indirekt kann man interpretieren, dass er seinen Ruf bei seinen Gegnern als „Fresser und Säufer“ (Mt 11,19 parr.) auch mit einer ordentlichen Portion Gelächter erworben haben wird. Aber in vielen seiner Geschichten zeigt er Humor. Das gilt ganz grundsätzlich für seine Art von Pädagogik, niemals mit dogmatischem Zeigefinger und Entscheidungsdruck theoretische Moralpositionen einzuklagen, sondern immer direkt durch „heilsames Handeln“ oder indirekt durch die Sinnfälligkeit konkreter Beispielgeschichten auf das Herz der Menschen einzuwirken. Sowohl im Handeln, als auch im Erzählen verwendet er z.T. ans Komische grenzende Methoden von Ironie und Satire: Die „Frau am Jakobsbrunnen“ schickt er (in humorvoller Lehrabsicht) ihren Mann holen, obwohl er weiß, dass sie keinen hat (Joh 4,1-26). In der Frage der Nachfolge schockiert er einen nur bedingt Aufbruchsbereiten mit dem harschen, ironischen und pietätlos klingenden Satz „Lass die Toten ihre Toten begraben!“ (Mt 8,22). Die „ertappte Ehebrecherin“ schützt er vor unausweichlicher Todesstrafe durch die ironisch-listige Aufforderung: „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein!“, aber auch er, der Sündlose, verurteilt sie nicht (Joh 7,53-8,11) . Im Blick auf die schwachen Himmelreichchancen für besonders Wohlhabende fällt sein berühmtes komisches Wort vom „Kamel durchs Nadelöhr“ (Mk 10,25). Auf höchst ironische Weise zieht er sich bei der verfänglichen Frage nach der „kaiserlichen Steuer“ aus der Affäre: „Gebt dem Kaiser, was dem Kaisers gehört“ (Mk 12,13-17). Gegen seine Gegner verwendet Jesus auch die Steigerung der Ironie, nämlich jede Menge Polemik: so nennt er die Pharisäern u.a. „blinde Blindenführer“ (Mt 15,14), „getünchte Gräber“ und rein äußerliche Reinheitsfanatiker, die „Mücken aussieben und Kamele schlucken“ (Mt 23,24-27) ...

Ziel: Die (älteren) Schüler/innen sollen feststellen, dass Jesus auch humorvolle Mittel anwendet, um die Schwachen zu stützen und zu schützen, besonders aber, um die Starken zu kritisieren, wenn sie ihre Macht missbrauchen und im argumentativen Kampf mit seinen Gegnern. Die Schüler/innen sollen darin ihr Gespür dafür schärfen, dass Mittel des Humors im Konflikt entwaffnend, u.U. deeskalierend, sogar (er-)lösend, natürlich aber auch provokant wirken können. In jedem Fall aber stellen Gewitzheit, Humor und Ironie eine gewaltarme Methode dar, im Streit Stärke zu beweisen und eine Auseinandersetzung ohne physische Gewalt vielleicht gewinnen zu können. Die Schüler/innen sollen über den Einsatz solcher Mittel für Konflikte in ihrem Umfeld nachdenken.


6. Wenn Bibel, Kirche und christliche Religion auch weithin als tendenziell freudlos und geradezu fröhlichkeitsfeindlich gelten und erfahren werden, so liegt darin der große Widerspruch und das große Versagen der kirchlichen „Agenten der Frohen Botschaft“ bis in unsere Zeit. Ursprung und Auftrag des Christlichen sehen es anders vor. Der Evangelist Johannes und der Briefe schreibende Völkermissionar Paulus versuchen es immerhin auszudrücken: „Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! ... Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird.“ (Joh 15, 9-11) „Wir wollen ja nicht Herren über euren Glauben sein, sondern wir sind Helfer zu eurer Freude.“ (2Kor 1,24) Meine liebste Bibelstelle über die Freude steht allerdings im Alten Testament im Buch Nehemia: „Dann sagte Esra zu ihnen: Nun geht, haltet ein festliches Mahl, und trinkt süßen Wein! Schickt auch denen etwas, die selbst nichts haben; denn heute ist ein heiliger Tag zur Ehre des Herrn. Macht euch keine Sorgen; denn die Freude am Herrn ist eure Stärke.“ (Neh 8,10). Wie die Kirche als ganze und auf Dauer aus der „Froh-Botschaft“ weitgehend eine „Droh-Botschaft“ gemacht hat, ist durch vielfaches Material zu belegen. Als Botin (Engel) der Freude Gottes wurde sie wohl immer nur für einzelne „wundervolle“ Momente und durch einzelne „wundervolle“ Menschen und kleine Gruppen in der Geschichte erfahrbar. Für mich zählen dazu ganz besonders: Franz von Assisi, Elisabeth von Thüringen, Don Bosco, Papst Johannes XXIII. und vor allem der römische Heilige Phillip Neri. An dieser Stelle ist allerdings jede Kollegin und jeder Kollege ganz persönlich aufgefordert, zu überlegen und einzubringen, wo und wie man selbst „Frohe Botschaft“ am intensivsten realisiert sah und sieht.

Ziele: Den Schüler/inne/n soll ein (zumindest der Lehrkraft) glaubwürdiges Zeugnis, bzw. ein glaubwürdiger Zeuge der Frohen Botschaft nahegebracht werden. Danach sollen sie die Welt von heute (und ihre Probleme) exemplarisch mit der Wiederkehr des humorvollen Jesus und seines Jüngers Philipp Neri als „Handlungsreisende in Sachen Kirche und Nächstenliebe“ konfrontieren.

 

 

Methoden und Materialien

1.1 In den Klassen 6 und 7 habe ich die Schüler/innen aufgefordert (ruhig mit munterem kleinem Getümmel) gemeinsam an der Tafel zusammenzutragen, welche „Arten von Lachen“ ihnen einfallen. Auf die Frage, wie man das Ergebnis nun sortieren könnte, kam sofort die Antwort: Es gibt „gutes (warmes)“ und „schlechtes (kaltes)“ Lachen. Beim näher Überlegen haben wir dann noch die Kategorien „trauriges“ und „sonstiges“ Lachen ergänzt. Während wir die Begriffe nun einordneten, diskutierten wir sie intensiv und es ergab sich in der Meinung der Schüler/innen ein recht klares Bild von „warm und kalt“. An der Tatsache, dass recht viele Begriffe in beide Hauptspalten gehören, stellten wir fest, dass es immer auf die „Herzensstimmung“ ankommt, ob „warm oder kalt“ gelacht wird. Wir fanden als „körperliche Steigerungsformen“ des Lachens heraus: 1. unsichtbare innere Freude; 2. lächeln; 3. schmunzeln; 4. grinsen; 5. kichern, 6. auflachen, 7. lauthals lachen; 8. brüllend Tränen lachen (jubeln, grölen, johlen). Diese „formale Lachtreppe“ ist weitgehend unabhängig vom Anlass des Lachens.

Erstaunt war ich, dass schon in Klasse 7 der Begriff „ironisches Lachen“ genannt und recht genau erklärt wurde und dem Inhalt nach auch der Galgenhumor. (Zur Illustration immer noch gut geeignet: Wilhelm Busch, Es sitzt ein Vogel auf dem Leim.) Klasse 6 überraschte mich, indem die Schüler/innen ganz alleine „listiges“ Lachen zum „warmen“ („wie Robin Hood“ oder die Fabel „Der Hase und der Igel“) und „hinterlistiges“ zum „kalten“ Lachen mit gemeiner Absicht, (wie die Fabel „Der Fuchs und der Rabe“) ordneten. In Klasse 6 stellten die fünf ausschließlich männlichen Kandidaten beim „Kleinen Lach-Wettbewerb: Wer lacht am natürlichsten künstlich?“ zudem fest, wie schwer es ist, auf Befehl zu lachen.

In Klasse 9 verteilte ich für Zweiergruppen je ein DIN A3-Blatt mit dem Arbeitsauftrag: „Was ist Lachen? – Eine allgemeine Frage sucht eine allgemeine Antwort. Gestaltet mit eurer Antwort dieses Blatt.“ Die Schüler/innen lösten die Aufgabe teilweise mit Mind-Mapping, reinen Text-Definitionen und gelungenen Bild-Text-Kombinationen. Inhaltlich entsprach das Ergebnis weitgehend dem der Unterstufe: Mit vielfältigen Beispielen wurde die Unterscheidung zwischen „gutem“ und „schlechten“ Lachen selbsttätig erarbeitet.

 

Es sitzt ein Vogel auf dem Leim____________________________________________

Es sitzt ein Vogel auf dem Leim,
Er flattert sehr und kann nicht heim.
Ein schwarzer Kater schleicht herzu,
Die Krallen scharf, die Augen gluh.
Am Baum hinauf und immer höher
Kommt er dem armen Vogel näher.
Der Vogel denkt: Weil das so ist
Und weil mich doch der Kater frißt,
So will ich keine Zeit verlieren,
Will noch ein wenig quinquilieren
Und lustig pfeifen wie zuvor.
Der Vogel, scheint mir, hat Humor.

Wilhelm Busch
(Quelle: www.gutenberg2000.de/autoren/busch.htm)

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1.2 Im zweiten Schritt (Klasse 6 + 7) ergänzten wir unsere Liste um weitere „Lachworte“. So ergab sich insgesamt die folgende Tabelle. (Die Querstriche trennen ersten und zweiten Schritt der Sammlung. Die Worte mit Sternchen* sind von mir ergänzt, wenn Schüler/innen den Inhalt zwar umschrieben, aber nicht auf den klaren Begriff brachten):

 

1.1.+1.2. „Arten von Lachen“ und „Lach-Worte“___________________

 

Lachtabelle
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1.3. Im dritten Schritt untersuchten wir in Kleingruppen die unterschiedlichen Funktionen von Lachen: „Warum lacht man jeweils so...?“ Dazu sollten Kleingruppen jeweils eine Spalte nochmals nach innerer Zusammengehörigkeit sortieren und dafür dann die Frage nach dem „Lachgrund“ beantworten. Hier nur ein paar exemplarische Ergebnisse. Zum „kalten“ Lachen: Um sich wichtig zu machen, Anerkennung zu finden und um sich nicht mehr unterlegen, sondern vielleicht sogar überlegen zu fühlen. Zur Entspannung. Aus Frust und Rache. Um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Zum „warmen“ Lachen: Weil man echte Freude empfindet. Weil das Glück heraus will. Weil man manche Dinge mit Lachen besser hinkriegt oder erträgt. Weil es einfach schön ist. Weil man damit vielleicht etwas verändern kann. Zum „traurigen“ Lachen: Weil von anderen meine gute Laune erwartet wird. Weil man etwas verkaufen will. Weil man verlegen ist. Weil man lieber weinen möchte, sich aber nicht traut. Zum „sonstigen“ Lachen: Zur Unterhaltung und zum Spaßhaben. Um Leute zum Lachen zu bringen. Um Geld zu verdienen.


1.4. Schließlich haben wir versucht, Humor zu definieren. Mögliche Leitfragen: Was ist der Unterschied zwischen „Witze machen“, „witzig sein“, „gewitzt sein“ und „Witz haben“? Wer kann mir einen der folgenden Sätze erklären: „Humor ist, wenn man TROTZDEM lacht!“; „Immer lachen ist lächerlich!“; „Wenn das Lachen nicht im Herzen Wurzeln schlägt, verblüht es schneller als eine Schnittblume!“; „Echtes Lächeln und Lachen geht immer bis zu den Ohren!“; „Erst die Augen machen die Freude unmissverständlich!“; „Wovon das Herz voll ist, davon läuft der Mund über! Wenn aber die Galle noch voller ist...!“?

Der Mühe, lexikalische Definitionen zum Vergleichen auf Schülerformat herunterzudividieren, enthob mich Marlon, einer der Älteren aus der 6: „Humor ist nicht das Lachen selbst. Humor ist irgendwie wo das Lachen herkommt!“ Also eine optimistische Stimmung des Herzens, mit der Bereitschaft, das Gute überhaupt zu sehen, es stärker zu gewichten als das Schlechte, gleichzeitig bereit, das Unabänderliche zu ertragen und nach unkonventionellen Lösungen für Probleme zu suchen. Außerdem versucht der Humor, dem empfundenen Glück spürbar mit Worten und Gesten Ausdruck zu geben, wodurch auch andere etwas von dieser Freude haben.


1.5 Als Zusammenfassung, Vertiefung, Ergebnissicherung... dieser Grundarbeit zu Lachen und Humor habe ich für meine Schüler/innen ein Gedicht gemacht. Wer wenig Zeit zur Verfügung hat, könnte auch den Einstieg ins Thema ausschließlich mit diesem Gedicht machen, es liefert viele verschiedene Aspekte des Lachen:

Die Klassensituation entscheidet darüber, ob man den Schüler/inne/n die Worte zum Einsetzen mitteilen muss oder ob sie sie selbst herausfinden können. Folgende Worte sind im Gedicht einzusetzen: Lachen, (Spaß-)Gelächter, Ironie, lacht, lacht, Lachen, Lachen, Lächeln, lächle.

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1.5 Mangelerscheinung – Gedicht “Lachen”

Ein Rätsel

    (Wer kann die Pünktchen... ersetzen?)

    Dir fehlt `was, mitten im Gesicht!
    Nein, eine zweite Nase nicht!
    Brauchst zwar zum Hören meist zwei Ohren
    und hätt’st den Durchblick längst verloren
    mit einem Auge, statt mit zweien,
    doch reicht ein Mund sehr wohl zum Schreien!
    Zwei Füsse brauchst du, drauf zu stehen,
    ein Hirn, mir auf den Geist zu gehen!
    Es fehlt, was soll ich da bloss machen,
    deinem Gesicht ein frohes ....................!

    Es ist dir irgendwie vergangen.
    Die Stimmung trüb, der Blick verhangen,
    fiel es dir wohl aus dem Gesicht!
    Aus deinem Mund erschallt nun nicht
    das grosse, frohe Spass..............................,
    du grinst zwar cool, doch das ist schlechter!
    Die Fältchen, die meist Lachen zeigen,
    sind sorgenvoll, die Augen schweigen!
    Du bist doch sonst voll Muskelkraft,
    jetzt sind die Mundwinkel erschlafft.
    Vom ganzen Humormuskelspiel
    zeigt dein Gesicht heut gar nicht viel.

    Und lachst du doch, wirkt’s eingefroren!
    Echt lacht man doch bis an die Ohren
    und nicht so künstlich wie die Damen
    und Herren auf Verkaufsreklamen.

    Da musst du schnell etwas trainieren,
    dein Wort wird sonst den Klang verlieren,
    der dich mir so sympathisch macht,
    wenn es aus deinem Herzen lacht.
    Du witzelst zwar, doch dieser Charme
    hat nicht viel Herz, er hat mehr Darm,
    wie wenn die Galle überläuft
    und Glück in Bitterkeit ersäuft.

    Was ist denn lustig an so Sachen,
    wenn Witze an’dre traurig machen?
    Warum bist du so amüsiert,
    wenn mir ein Missgeschick passiert?
    Rechtfertigt denn Lachen als Lohn
    sarkastischen Zynismus-Hohn?

    Da lob‘ ich mir die .....................,
    die stichelt zwar, verletzt doch nie,
    sie kritisiert mit Witz und Geist,
    sie zeigt sich mutig, bisschen dreist:
    wenn Starke ihre Macht missbrauchen,
    darf man sie in Gelächter tauchen!
    So also kritisch konstruktiv
    verlacht sie den Gesellschaftsmief.

    Auch Selbstironie gilt es zu testen,
    mit ihr hält man sich selbst zum Besten,
    und ohne Überheblichkeit
    bewältigt man – verdrängt nicht – Leid!
    Man nimmt sich leicht und nicht so wichtig;
    wer über sich ..............., der ................ richtig!

    Die ganze Schule ist verkehrt,
    wenn sie nicht auch das ................... lehrt!
    Komm, lern das kleine Einmaleins
    des ................... und des Fröhlichseins!
    Kannst du mir bitte mal vormachen:
    womit beginnt es denn, das Lachen?

    Oh, ja! Grad sehe ich aufzieh’n,
    was gänzlich dir verloren schien:
    es ist zwar nicht des Lachens Fülle,
    nicht herzerfrischendes Gebrülle,
    das lachend Tränen laufen lässt,
    auch mal in and’re Richtung nässt
    und uns am ganzen Körper schüttelt,
    wenn Freude Kopf und Herz wach rüttelt,

    nein, es ist Lachen, das erblüht,
    wenn .............. ins Gesicht einzieht
    mit erster Spur vom Glücksgefühl,
    wenn sich erwärmt, was grad noch kühl:
    der Blick, das Herz, die Magengegend,
    wie zarter Sonnenschein sich legend
    auf das Gemüt, verscheucht die Schatten,
    die gestern dich geängstigt hatten.
    Es ist des Lachens Morgenröte,
    des Glücksorchesters erste Flöte!
    Es ist des Lachens kleinste Form,
    kostet nicht viel und wirkt enorm!

    Wie heisst es nun dies Zauberwort
    der Muskelkraft im Augensport?
    Es ist kein bisschen läche(r)lich,
    beim Fröhlichsein da .............. ich!

    Gut, diese Antwort, sie ist wahr!
    Ist euch denn, wer hier spricht, auch klar?
    Wer lehrt hier wen in Sachen Lachen
    und Techniken für’s Fröhlichmachen?
    Wer ist im Lächeln mehr geübt,
    kann zeigen, wie man’s weitergibt?

    Jawohl, die Rollen sind verkehrt!
    Ihr Lehrer lernt! Ihr Schüler lehrt!         

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2. Sehr passend wäre hier ein im ersten Moment äußerst komisches, dann aber höchst politisch-satirisches Gedicht von Erich Fried: „Verstandsaufnahme“. Leitfragen und Antworten: 1. Welche sprachliche Technik „bewendet“ Fried? Vertauschen der Vorsilben be- und ver- 2. Warum hat er dieses Gedicht wohl geschrieben? Und welche Funktion, welches Ziel haben polit. (Sprach-)Witz, Ironie, Satire? Entweder die Wirklichkeit erträglicher zu machen oder sogar zu verändern. 3. Auf welcher inhaltlichen Voraussetzung basieren sie? Woher bezieht die politische Satire und ihr jeweiliger Schöpfer die notwendige Kraft und den Mut? Aus der Sehnsucht und der konkreten Vorstellung besserer Zukunft, die Menschen in sich haben und die in ihrem Inneren bereits begonnen hat. Darum sind es auch „reale Utopien“, weil sie im Kopf und Herz des Menschen schon einen „Ort“ haben, nicht „ortlos=utopisch“ sind. Sehnsucht, Vision, Traum, Utopie gehören so wesentlich zum Menschsein. Vieles kann Wirklichkeit werden. Sie sind der Motor jeden Fortschritts und sein konkreter Beginn. Von Antoine de Saint-Exupery stammt ein berühmtes, schönes Wort zur Illustration der wirklichkeitsbildenden Kraft der Sehnsucht: „Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben, und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer“.

Es ist auch möglich, näher an der Realität der Schüler/innen zu arbeiten. Leitfrage: Wann, warum und wie macht ihr Schüler euch über uns Lehrer lustig? Nächste Alternative: Ein paar kurze Videoausschnitte aus einem aktuellen Polit-Kabarettprogramm. Wer kreativ vertiefen möchte, lässt die Schüler/innen selbst einen Witz, einen Cartoon, eine Satire herstellen über Machtprobleme ihres Horizonts in Schule, Familie, Clique, Gesellschaft.

 

Verstandsaufnahme_______________________________________________________

Der Befassungsschutz
verschützt die Versitzenden
vor denen die den Verhörden
als bestockte Beschwörer verkannt sind
weil sie eine Beänderung
der Lebensverdingungen wollen
durch Bewandlung der Produktionsbehältnisse

Ein wohlverstallter Veramtenapparat
leistet Bezicht auf eigenes kritisches Denken
die Herrschenden aber halten Verratungen ab
wie sie die Verherrschten
davon abhalten können
sich verdrückt und um ihr Leben vertrogen zu fühlen
Ein Heer von Bedummern
will sie zur Selbstverherrschung erziehen
und verarbeitet zu diesem Zweck
die Normalbebraucher
mit Verschwichtigungen
und mit Betröstungen

Aber seht die Behafteten
und ihre verwaffneten Verwacher
und was die Gerichte bezapfen
vor die man sie stellt
Seht euch diese Verweisbefahren an
die Haftverfehle
und Bestöße gegen das Grundrecht
die Bedrehungen und ausweichenden Verscheide
dann die Hauptbehandlungen
und die begnügten Verrichterstatter und zuletzt die Beurteilten
und die vergnadigten Kronzeugen

Wieviel Bestellung
wieviel heimliches Einbenehmen
wieviel Bekommenheit angeblich beläßlicher Menschen
die verstochen sind von ihren betauschbaren Rollen
von Verförderungsbesprechungen
oder auch nur von der Verrufung auf ihre Treue
als Diener des Staates

Seht die Bemarktung
der menschlichen Arbeitskraft
die Bezahnung der Staatsorgane
in immer neuen Verreichen
seht die Verleidigung der Würde des Menschen
und fragt euch dann ob ihr das
verjahen wollt oder beneint

Erich Fried
(aus: Die bunten Getüme, Wagenbach, Berlin 1988, S.48)___________________________________

 

3.1 Mit einem „Kleinen Lachprotokoll“ als Hausaufgabe habe ich diesen Schritt vorbereiten lassen: „Macht kurze Notizen, worüber ihr, eure Freunde und eure Eltern in der letzten und in dieser Woche gelacht habt!“. Neben vielen persönlichen Dingen kamen natürlich Fernsehszenen, ein paar „Daily Soaps“, vor allem aber „die Simpsons“, aber auch Shin Chan, DragonballZ, Malcom mittendrin und die D.I.A.-Show, bei den Neunern noch mehr Comedey: Harald Schmidt, Dirk Bach, Ingo Appelt und Ingolf Lück. Ich lasse Szenen schildern und auch ohne allzu viel „Religionsstundenüberich“ kommt das Gespräch weitgehend zum Urteil: „Kaltes Lachen! Wir gucken und lachen aber trotzdem!“ Auf meine Lieblings-Moralfrage: „Wenn ihr Eltern wäret, würdet ihr es euren Kindern erlauben?“ kommen die üblichen Floskeln vom „miteinander darüber Reden“. Damit begnüge ich mich hier. Wer sich selbst umfassender vorbereiten will, kann aus dem Internet zu den „Spaßmachern der Nation“ über deren Namen oder die Titel ihrer Sendungen jede Menge Textmaterial herunterladen.

 

3.2 Wir filterten dann aus den Lachprotokollen (in diesem Fall sieben) allgemeine Arten des Lachens aus und stimmten ab, in welcher Reihenfolge wir diese „Lachgründe“ in der Gesellschaft um uns herum vorkommen sehen („Hierarchie der Lachgründe“). Folgende Reihenfolge ergab sich: 1. lästerndes Auslachen; 2. „Mode“-Lachen (weil andere auch gerade darüber lachen); 3. über in Medien produziertes Lachen lachen; 4. über echte (Situations) Komik lachen; 5. Freundschafts-Gickeln (in der Clique); 6. aus glücklicher Herzensfreude lachen; 7. ermunterndes Lachen, das anderen hilft. Auch hier gebe ich mich mit dem aufkommenden „Hauch von Beklommenheit“ angesichts des Ergebnisses zufrieden, moralische Appelle nutzen da wenig...

 

4.1 Die Schüler/innen erhalten das Arbeitsblatt 4.1 und beantworten die Fragen.
An seelischen Heilwirkungen (1. Frage) benennt der Text: weniger Stress, Befreiung von Angst, Erträglichkeit von Schmerz, gute Laune, Glücklichsein, Ernst des Lebens hinter sich lassen.

Die „Humor Kirche“ in Wiesbaden-Erbenheim ist leider kein christliches Gotteshaus mehr. Die katholische Kirche hat sie vor Jahren nach dem Bau eines neuen Gemeindezentrums an das Lachmuseum-Harlekinäum verkauft. Jetzt sind dort ein Lachclub und diverse Ausstellungen und Veranstaltungen zum Humor zuhause. Das Gespräch über die „Kirche des Humors“ (3. Frage) erbringt natürlich, dass Kirche heute viel zu ernst ist, geradezu traurig, dass sie aber durchaus die Aufgabe hätte, Menschen glücklich und froh zu machen. Sonst handelt sie nicht so, wie Jesus es wollte.

 

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Arbeitsblatt4.1.: ________________________________________________________________________
Hessischer Rundfunk, Studio Kassel, 11.10.2001

gesund

Immer gut drauf - Lachen lernen

Lachen, das kann doch jedes Kind. Babys lachen bereits im Alter von vier Monaten, wenn man sie kitzelt. Mit einem Jahr sind Kinder in der Lage, komische Situationen zu erkennen. Sie lachen dann zum Beispiel über Grimassen oder seltsames Verhalten. Daran ändert sich während des Erwachsenwerdens nicht mehr viel. Was sich allerdings ändert ist, dass wir Erwachsene in der Regel nicht mehr soviel lachen wie Kinder.


Dabei wirkt Lachen nicht nur befreiend, sondern ist auch noch richtig gesund. Beim Lachen wird die körpere
igene Hormonproduktion angekurbelt. Es werden vermehrt Endorphine (Glückshormone) produziert und Stresshormone abgebaut. Beim Lachen werden über 300 Muskeln angespannt und wieder gelockert. Besonders im Gesicht zeigt sich das Lachen durch die Kontraktion der Muskeln.

Durch die verlängerte Einatmung wird die Lungenfunktion gesteigert. Dabei wird fast die gesamte Luft aus der Lunge herausgepresst. Die typischen Lachlaute entstehen. Die Lachatmung regt den Gasaustausch in der Lunge an und mehr Sauerstoff kann sich im Blut anreichern. Dadurch wird der Stoffwechsel gefördert und Kohlensäure wird vermehrt ausgestoßen. Zusätzlich wird das Zwerchfell gelockert.

Teilweise erzielt Lachen die gleiche Wirkung wie Medikamente, belegen wissenschaftliche Arbeiten. Aus der Erforschung dieser Wirkung ging sogar ein völlig neues Fachgebiet hervor: die Gelotologie (von griech. „gelos“, Gelächter).

Lachen verändert zum Beispiel die Hormonausschüttung im Körper. Der Endorphin- und Katecholaminspiegel steigen an, und die Stresshormone werden gesenkt. Die Muskulatur und damit ungefähr 300 verschiedene Muskeln wird gelockert. Zusätzlich wird die Verdauung gefördert.

Weitere wichtige Effekte sind, dass einem die Angst beim Lachen vergeht. (Krankenhaus-Clowns!)

Gleichzeitig wird beim Lachen unser Schmerzempfinden herabgesetzt und wir können Schmerzen besser ertragen. Herzhaftes Lachen aktiviert aber auch das gesamte Herz-Kreislauf-System. Zunächst wird der Herzschlag beschleunigt, dann schließt sich eine Phase der Entspannung an. Der Herzrhythmus verlangsamt sich und der Blutdruck wird gesenkt.

 

Lachclubs

Nach dem Vorbild des indischen Arztes Madan Kataria gründen sich in Deutschland immer mehr Lachclubs. Kataria begründetet 1995 die ersten Lachclubs und mittlerweile gibt es in Deutschland dutzende solcher Lachclubs. Nach seiner Vorstellung bewegt der kurze „Ho“-Lachlaut die Bauchmuskulatur. Das „HaHaHa“ soll den Brustkorb entspannen. Ein so genanntes Löwenlachen mit weit aufgerissenem Mund und herausgestreckter Zunge lockert nach seiner Theorie die Gesichtsmuskulatur und den Geist.

In den Kursen wird den Teilnehmern nicht nur gute Laune nahe gebracht, sondern vor allem organisiert gelacht. Zur Begrüßung werden vielleicht erst mal die Hände mit links geschüttelt. Dann machen sich die Teilnehmer mit ihrem Körper vertraut. Lockerungsübungen helfen dabei. Später wird, zur Bestätigung der guten Laune, der Welt laut mitgeteilt, wie glücklich man ist. Ziel des ganzen Spektakels ist es, den Ernst des Lebens hinter sich zu lassen und herzhaft zu lachen.

Für Außenstehende sieht es lächerlich aus, wenn die Teilnehmer des Lachclubs scheinbar ohne Grund lauthals lachen. Aber: Untersuchungen haben gezeigt, dass der gesundheitliche Effekt des Lachens immer eintritt - ganz egal, ob wir von ganzem Herzen lachen oder ob das Lachen aufgesetzt ist. In Wiesbaden treffen sich jede Woche mehr Menschen zum gemeinsamen Lachen in der Kirche des Humors. Internet-Adresse: www.lachzentrum-wiesbaden.de

(Quelle: www.hessenfernsehen.de/servicegesundheit)

 

Fragen:
1. Welche körperlich und seelisch heilsamen Wirkungen schreibt der Text dem Lachen zu?

2. Betrachtet nun die seelischen Heilwirkungen und versucht, dafür konkrete Beispiele zu nennen.

3. Am Schluss wird eine „Kirche des Humors“ genannt. Was stellt ihr euch darunter vor?

4.2 In Klasse 6 und 7 lese ich den Schüler/innen nun zwei „Heilungsgeschichten“ vor: Die Heilung eines Gelähmten (Mk 2,1-12) und die berühmte Zachäusgeschichte (Lk 19,1-10), erst auf den zweiten Blick eine Heilungsgeschichte. Wir besprechen dann die Frage: Warum sind das im tiefsten eigentlich „Lachgeschichten“? Beim Gelähmten führt die Spur zum Lachen und zum Glück, das Jesus schenken will, über die Sündenvergebung zur körperlichen Heilung. Es muss also die Seele Heil werden, damit auch dem Körper Gesundheit möglich ist. Jesus ist kein magischer Wunderzauberer, sondern ein einfühlsamer Seelenheiler. Das wird bei der Zachäusgeschichte noch deutlicher, wenn wir mit den Schüler/innen „fruchtbar und kreativ spekulieren“, was denn nun im Haus zwischen Jesus und Zachäus stattgefunden hat?

In Klasse 9 verwende ich die krasse Gerasa-Geschichte (Mk 5,1-20). Der Besessene könnte heute ein „autoaggressiver Grufti-Punker“ sein (Grabhöhlen, Ketten, Selbstverstümmelung, wilde Erscheinung, wildes Gebärden...), den Jesus weder mit moralischer Strafpredigt und Ordnungsappellen noch mit Zauberei zur Besinnung bringt, sondern durch Zuwendung.


4.3 Vom Glück und Lachen, das der Heilung folgt, erzählt die Bibel kaum. Vielleicht klänge es auch etwas lapidar: „und sie zogen glücklich lachend ihrer Wege...“. Um aber ein tieferes Gespür für die wiedergefundene Lebensfreude zu entwickeln, sollen die Schüler/innen nun ausdrücklich eine Heilungsgeschichte im biblischen Stil selbst erfinden. Arbeitsauftrag (möglichst auf schön vorbereitetem Blatt): Ihr habt nun wieder einmal berühmte Jesusgeschichten über Heilung und Lebensglück gehört. Mit ein wenig Erinnerungskraft fallen euch bestimmt auch noch andere ein. Ich bitte euch nun, im Stil dieser Jesusgeschichten selbst eine zu erfinden! Der Evangelist Marlon und die Evangelistinnen Sabrina und Lea und alle anderen schreiben nun eine Story „Jesus lässt (einen) Menschen das Lachen wiederfinden!“. Ob das wiedergefundene Lachen dabei ein direktes oder ein indirektes Ergebnis der Begegnung mit Jesus ist, das bleibt euch überlassen.


5. In den Heilungsgeschichten und vielfachen Szenen, in denen sich Jesus für das Glück der Menschen in Not stark macht, verwendet er nur ganz zarte Ironie, die bestenfalls ältere Schüler/innen herausfinden können. Darum verwende ich die „Frau am Jakobsbrunnen“ (Joh 4,1-26) und die „ertappte Ehebrecherin“ (Joh 7,53-8,11) neben den unten folgenden Texten nur in Klasse 9. Für die Klassen 6 und 7 lege ich den Akzent mehr auf Jesu humorvolle Verteidigung im Konflikt mit seinen Gegnern. Ich kopiere für sie jeweils den gesamten Textabschnitt vom „Kamel durchs Nadelöhr“ (Mk 10,17-25), von der „kaiserlichen Steuer“ (Mk 12, 13-17) und von den „Worten gegen die Pharisäer“ den Abschnitt Mt 23,23-28. Dann sollen die Schüler/innen in Gruppen zu ihrem Text die Aufgabe bearbeiten: „Von Lachen ist in diesem Text nicht die Rede. Untersucht, ob ihr andere Anzeichen für Humor in ihm findet? Welche Funktion erfüllt er dabei?“

Wenn ich der Erkenntnis erst nachhelfen muss, dann mit der Formel: „Humor macht gewaltfrei aber nicht wehrlos!“ Nach dem Austauschen der Ergebnisse sollen sie sich erinnern welche Konflikte sie oder andere Leute in ihrer Wahrnehmungsumgebung mittels Lachen und Humor entschärfen konnten oder können. Und sie sollen spekulieren, welche immer wieder bei ihnen wiederkehrenden Konflikte einmal mit Mitteln des Humors behandelt werden könnten. (Für die älteren mit Anknüpfung an die Ergebnisse von 2.)


6.1 Im Rückgriff auf das Gespräch über die „Kirche des Humors“ und (wenn es die Zeit erlaubt) die oben unter 6. erwähnten Bibelstellen (Joh 15, 2 Kor 1, Neh 8) erläutere ich den Schüler/inne/n, dass Kirche eigentlich herausgefordert ist, Botin (Engel) der Freude zu sein. Natürlich leugne ich nicht, wie schwer sich die Kirche damit tut und dass es ihr bisher immer nur in „wundervollen einzelnen Momenten“ und „wundervollen einzelnen Menschen“ gelungen ist. (Mit Schmunzeln gesagt: „Wie soll aus der Kirche auch etwas Fröhliches werden, wenn nette Leute wie Ihr, sich aus ihr eher heraushalten und sie den Miesepetern überlassen!“). Dann erzähle ich ihnen von meinem Lieblingsheiligen Philipp Neri.

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Der Heilige Philipp Neri (1515-1595)

An Philipp Neri konnte man wohl auf faszinierende Weise erfahren, was Freiheit, Liebe und Freude der Kinder Gottes ganz lebendig bedeuten. Seine Leidenschaft und Lebenslust lassen ihn aus jedem gediegenen Lebensmodell aussteigen und treiben ihn stunden und tagelang durch die Straßen Roms. Sein beträchtliches Erbe hatte der aus Florenz Stammende an die Armen verschenkt, bevor er mittellos nach Rom ging. Alles Lebendige saugt er in sich auf, er knüpft Kontakte zu allem und jedem, besonders zu den Kindern. Seine Gottesnähe erlebt er ekstatisch (d.h. hier „fromme Verzückung“), mit vielen mystischen (hier: übersinnlichen) Elementen. Den Menschen bringt er handelnd und schwärmend, völlig undogmatisch und nicht belehrend die Liebe Gottes nahe. Seine Wirkung und Ausstrahlung müssen so mächtig gewesen sein, seine Freiheit und Menschenfreundlichkeit so stark und für konventionelle kirchliche Kreise gleichzeitig so bedrohlich, dass die Kirche alles daransetzte, ihn zu "domestizieren". Erst nach 15 Jahren mehr sozialer als missionarischer Tätigkeit in den Straßen Roms und in seiner kärglichen Behausung gelang es der Kirche, ihn zum Priesteramt zu überreden. Seine kleine Wohnung war geradezu ein geistliches Zentrum Iaikaler (d.h. nicht kirchlich-amtlicher) und weltoffener Frömmigkeit geworden, wo alle, Kinder, Handwerker, Gebildete, einander das Evangelium auslegten, sangen, beteten. Kardinal zu werden hat er zeitlebens abgelehnt. Disziplinarmaßnahmen hat er sich eingehandelt (zeitweise Predigt und Zelebrationsverbot, Wohnortauflagen usw.), aber sie blieben gegen seinen unbezwingbaren und freien "heiligen Geist" wirkungslos.


Aus Angst vor einer Art von frömmelnder Heiligkeit, die ihn hochmütig und eingebildet machen könnte, machte er sich und andere, die er in gleicher Gefahr sah, vor aller Welt lächerlich und hielt sich mit solcherart Narreteien und kritischen Tönen selbst in der Kirche, im Gottesdienst und vor Päpsten nicht zurück, derer fünfzehn er erlebte. Wer in der Kirche nicht nur eigene Macht und Wohlstandsgier befriedigen wollte, sondern ernsthaft an urchristlichem Geist und froher Botschaft interessiert war, der suchte Philipps Nähe und seinen Rat. Die Lebensgemeinschaft, die sich um ihn und seine lebendige Frömingkeitsform herum entwickelte, nannte sich Oratorium (Gebetsort). Später wurde daraus einerseits eine Art Ordensgemeinschaft, aber mit sehr freiheitlicher Regel. Andererseits inspirierte die freie Art von Frömmigkeit, Gesang und Bibelauslegung z.B. Giovanni Pallästrina, später Johann Sebastian Bach zu Werken geistlicher Musik, die sie dann „Oratotium“ nannten.


Was mich persönlich an diesem Heiligen besonders anspricht, ist seine undogmatische, phantasievolle, lebenszugewandte Frömmigkeit und Seelsorge! Seine Freiheit und sein Mut um der Menschen und um Gottes willen, seine leibhaftige Seelsorge! Eitlen Damen konnte er z.B. unvermittelt die kunstvolle Frisur zerwuscheln. Er selbst hielt sich an keine „Kleiderordnung“ und lief besonders gern in einem roten Hemd durch die Stadt. Sein pädagogisches Geschick bewahrt ihn vor lehrhafter und moralisierender "Zeigefingerverkündigung". Die Bußleistungen z. B., die er als Beichtvater auferlegt, sind lebensnah und heilsam. Die Methoden seiner Kritik an Geisteshaltungen und Lebensformen sind kreativ und phantasievoll und darum wohl so erfolgreich: "Halb Rom wollte bei Il Santo, (wie man ihn nannte), beichten. Kein Wunder bei seinem psychologischen Gespür, wie er es etwa bei jener Klatschbase bewies, deren größte Lust darin bestand, die angeblichen Fehler und Schwächen ihrer Nachbarinnen auszuposaunen. Er trug ihr die ungewöhnliche Buße auf, ein Huhn zu rupfen und die Federn in ganz Rom vom Wind zerstieben zu lassen. Als sie das nächste Mal im Beichtstuhl erschien und sich erneut der üblen Nachrede bezichtigte, erfand er eine neue Buße: Nun sollte sie sämtliche Hühnerfedern wieder aufsammeln und in die Kirche bringen. Großes Entsetzen: das sei ja unmöglich! Darauf Filippo: Genauso unmöglich, die Wirkung böser Worte zurückzunehmen und einmal ausgestreute Verleumdungen wieder einzusammeln.

Und eine andere unverbesserliche Dame, die von der Kommunionbank, ohne den Schlusssegen abzuwarten, immer schnurstracks nach Hause zu hasten pflegte, ließ er einmal von vier Ministranten mit brennenden Kerzen zu ihrer Wohnung geleiten, um sie auf ihr taktloses Verhalten Gott gegenüber aufmerksam zu machen" (Zitat aus: Chr. Feldmann, Gottes sanfte Rebellen. Große Heilige der Christenheit, Freiburg 1984, S. 246).

Für seine kritische Freiheit auch der Kirche und ihrer Hierarchie (der gestuften Ordnung von Vorgesetzten) gegenüber mag folgender Text stehen, den J. W. v. Goethe in seinem PhilippNeriKapitel der " Italienischen Reise" überliefert:

"Memorial des Philipp Neri an Papst Clemens VIII.

Heiligster Vater! Und was für eine Person bin ich denn, dass die Kardinäle mich zu besuchen kommen, und besonders gestern Abend der Kardinal von Florenz! ... Er blieb auch bis zwei Stunden in die Nacht und sagte so viel Gutes von Euer Heiligkeit, viel mehr als mir billig schien: denn da Sie Papst sind, so sollten Sie die Demut selber sein. Christus kam um sieben Uhr in der Nacht, sich mir einzuverleiben, und Euer Heiligkeit könnte auch wohl einmal in unsre Kirche kommen. Christus ist Mensch und Gott und besucht mich gar manchmal. Euer Heiligkeit ist nur ein bloßer Mensch ... Was hätte ich nicht alles zu sagen, wenn ich meiner Galle freien Lauf lassen wollte. Ich befehle Euer Heiligkeit, dass Sie meinen Willen tun, wegen eines Mädchens, das ich nach Torre de' specchi (ein Ort in der Nähe Roms) schaffen will. Sie ist die Tochter von Claudio Neri, dem Euer Heiligkeit versprochen hat, dass Sie seine Kinder beschützen will; und da erinnere ich Sie, dass es hübsch ist, wenn ein Papst sein Wort hält. Deswegen übergeben Sie mir gedachtes Geschäft und so, dass ich mich im Notfall Ihres Namens bedienen könne; um so mehr, dass ich den Willen des Mädchens weiß und gewiss bin, dass sie durch göttliche Eingebung bewegt wird, und mit der größten Demut, die ich schuldig bin, küsse ich die heiligsten Füße." (Zitat aus: J.W. v. Goethe, Italienische Reise; Werke in 8 Bänden, Emil Vollmer Verlag, Wiesbaden, o.J., Bd. 5, S.1089)


Seine leidenschaftliche Gottesliebe geht immer irgendwie mit ihm durch, hält ihn in äußerster Bewegung, treibt ihn durch die Gassen, zu den Menschen, besonders zu den Kindern, die alles mit ihm machen dürfen. Überschwängliche Freude, lautes Lachen, pralle Lebenslust und Staunen vor Gottes Schöpfung. Und dann im nächsten Augenblick das krasse Gegenteil: Seine Gottesliebe versetzt ihn in entrückte Ekstasen, in denen er während einer Messfeier oder auch nur beim morgendlichen Ankleiden eine Stunde und mehr mit dem "inneren Auge", äußerlich zur Salzsäule erstarrt, das göttliche Gegenüber seiner Liebe betrachtet.

Man erzählt, Legende oder Wirklichkeit, dass sein Herz so voll der Liebe und Leidenschaft für Gott und die Menschen war, dass es sich sogar organisch ins Überdimensionale vergrößerte und von innen die Verknorpelung der Rippen durchbrach. Selbst wenn dies "nur" Symbolik sein sollte, was für ein Bild für Herzensgüte! "Erd, Himmel, Zeit und Raum erfüllt von Lachen sind. Und immer ist heute der sonnigste Tag!" So schreibt er in einem Sonett. Philipp muss von penetrant guter Laune gewesen sein. Man möchte meinen, dass er überhaupt nicht „ernst" sein konnte, vielleicht alles ins Lächerliche zog, weder Pietät, noch Anstand, Würde, Ehrfurcht kannte, auch nicht die gängigen Eigentumsgesetze. Um die römischen Waisenkinder, die er um sich sammelte, versorgen zu können, wandte er Methoden zwischen Bettelei, moralischem Druck und räuberischer Erpressung an, bei denen er gerne für sich jeden Nachteil und jede Tracht Prügel in Kauf nahm. „Gut, das war für mich, jetzt aber etwas Rechtes für die Kinder!“ konnte er sagen, wenn sein Bitte um Geld, Brot oder eine kleine Arbeitsstelle für seine Schützlinge von irgend einem Grobian nur mit einem Fußtritt beantwortet wurde. So war er in demütiger Aufdringlichkeit und in geduldiger Unruhe eine heiter hilfreiche Mischung aus Franz von Assisi, Robin Hood, Till Eulenspiegel und Don Camillo!

In der Tat spricht vieles, vor allem aus der ängstlich disziplinierenden Reaktion der Kirche, für ein solches Bild des heiligen Philipp Neri, das ihn als gelungene Mischung aus Franziskus, Robin Hood und Till Eulenspiegel zeigt, dabei aber eben auch ganz nah dem Bilde Jesu. Das alttestamentliche Buch Nehemia erzählt davon, dass das Gottesvolk vor Rührung und Freude geweint hätte, als man ihm aus den fünf Büchern Mose von der Rettung ihres Volkes durch Jahwe vorlas und ihnen nahebrachte, dass in der Freude an Gott die Stärke der Menschen liege (Neh 8, 112). Seit ich mehr über Philipp Neri erfahren habe, entwickle ich selbst viel mehr lebendige Erfahrung von der Kraft und Macht, die aus der Freude an Gott erwachsen kann! Die Lebensfreude Philipps trampelt nicht gefühllos über das Leid der Traurigen, Kranken und Armen hinweg, bietet nicht einfach billige Vertröstung. Die Freude befähigt ihn zu außerordentlichster menschlicher Hilfeleistung. Durch seine spürbare und heilende Solidarität mit aller Not kann seine Lebensfreude tatsächlich ansteckend werden. Er stellt sich mit den Menschen dem Leben in allen Dimensionen. Darum wirken seine Freude und sein Gottvertrauen so glaubwürdig und fruchtbar. Die große Liebe Gottes in ihm lässt ihn überall den verborgenen, verschütteten, verletzten Glanz des hellen Lebens wiederentdecken und in den Menschen bestärken. Er empfindet die Liebe Gottes zur Welt, die durch ihn hindurch alle erreichen will, so stark, dass er immer wieder seine menschlichen Grenzen die diesen Prozess einengen, lautstark betrauert und bußfertig bekämpft. In seinem Sonett: „Wie krank und schwach doch meine Kräfte sind..." "Gott, warum schenkst du mir soviel Liebe und dann nicht genug Hände und Augen und Ohren und Füße und Zungen, um sie überallhin weiterzuschenken!", so ungefähr hat Philipp gebetet. Diese ihn forttragende Liebeswoge, ja regelrechte Liebeswut kann schon fast beängstigend wirken. Wie erfrischend und befreiend, wenn wir, die wir alle mehr oder weniger von der kirchlichreligiösen Angsterziehung verbogen sind, jenen großen Heiligen beten hören: "Jesus, gib mir die Kraft, dass ich dich nicht aus Furcht, sondern aus Liebe lieben kann!"

(Quellen: Foto: www.niarts.de/philner.htm; Text: Stefan Herok; weitere Quellenangaben im Text)

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6.2 Arbeitsauftrag: Die Welt ist voller Probleme und die Kirche und das Christentum versuchen zwar Einfluss auf sie zu nehmen, aber sie sind dabei wenig erfolgreich. Vielleicht liegt das an ihrem Mangel an Humor! Wie wäre es nun, wenn der Freudenbote Jesus von Nazaret und einer seiner fröhlichsten Jünger in der Kirchengeschichte, Philipp Neri, heute gemeinsam wiederkämen und als „Handlungsreisende in Sachen Kirche und Nächstenliebe“ für die Botschaft Gottes werben würden?

Stell dir vor, sie wären eine Weile durch die Welt gefahren, auch in Deutschland, im Bistum Limburg wären sie vorbeigekommen und nun schreiben sie der heutigen Kirche einen Brief, in dem sie beispielartig erzählen, was sie so wahrgenommen haben und wie sie der Kirche nun zu handeln raten würden! Schreibe in ihrem Namen diesen Brief an die Kirche von heute!


6.3 Als kleines Beispiel dafür, dass Humor auch in Frömmigkeit und Liturgie seinen Platz haben kann und als Schlussstein der Einheit, lese oder bete ich (je nach Atmosphäre und Stimmung in der Klasse) mit den Schüler/inne/n das leider singuläre Humorgebet (dem heiligen Thomas Morus zugeschrieben) aus dem Gotteslob 8,3. Hier wäre auch Gelegenheit von der Tradition des „Osterlachens“ (risus paschalis) zu erzählen, für das ich leider keine aussagekräftigen Texte gefunden habe. Als weitere Frömmigkeitstexte voll Humor kommen die irischen Segensgebete infrage (z.B. auch als Lied bekannt: „Möge die Straße und zusammenführen…“) und der berühmte Text „Desiderata“ aus der alten St. Paul’s Cathedral in Baltimore.

 

Gebet um Humor__________________________________________________________

Schenke mir eine gute Verdauung, Herr, und auch etwas zum Verdauen.

Schenke mir Gesundheit des Leibes, mit dem nötigen Sinn dafür, ihn möglichst gut zu erhalten.

Schenke mir eine heilige Seele, Herr, die das im Auge behält, was gut ist und rein, damit sie im Anblick der Sünde nicht erschrecke, sondern das Mittel finde, die Dinge wieder in Ordnung zu bringen.

Schenke mir eine Seele, der die Langeweile fremd ist, die kein Murren kennt und kein Seufzen und Klagen, und lass nicht zu, dass ich mir allzu viel Sorgen mache um dieses sich breit machende Etwas, das sich "Ich" nennt.

Herr, schenke mir Sinn für Humor, gib mir die Gnade, einen Scherz zu verstehen, damit ich ein wenig Glück kenne im Leben und anderen davon mitteile. Thomas Morus_______________________________

 

Desiderata - So führst du ein glückliches Leben_________________________________

Sei gelassen inmitten von Lärm und Hast und denk an den Frieden, der in der Stille liegen kann. Soweit dies möglich ist, ohne dich selbst aufzugeben, vertrage Dich gut mit allen Leuten. Sag Deine Wahrheiten ruhig und klar und höre die anderen an, sogar die Dummen und Unwissenden; auch sie haben etwas zu erzählen. Meide laute und aggressive Menschen, sie sind eine Qual für den Geist. Wenn Du Dich mit anderen vergleichst, magst Du eitel oder bitter werden; denn es wird immer größere und kleinere Menschen als Dich geben. Genieße, was Du erreicht hast und freue dich Deiner Pläne. Bleib voll Interesse an Deinem Beruf, was er auch immer sein mag; er ist ein wirklicher Besitz im Wandel der Zeiten. Nimm Deine Geschäfte immer mit Umsicht wahr, denn die Welt ist voller Arglist. Aber lass Deine Augen nicht blind werden für das, was an Tugenden vorhanden ist; viele Menschen streben nach hohen Idealen, und überall ist das Leben voller Heldenmut. Sei Dir selbst treu. Täusche insbesondere keine Zuneigung vor. Sei Du selbst und heuchle keine Zuneigung, noch sei zynisch in der Liebe, denn auch im Angesicht aller Dürre und Enttäuschung ist sie doch immerwährend wie Gras. Nimm das, wozu Dir die Jahre raten, gern entgegen und gib die Dinge Deiner Jugend mit Gelassenheit auf. Pflege die Zucht des Geistes, damit Du in einem plötzlichen Schicksalsschlag gewappnet bist. Auch mach Dich nicht unglücklich mit Dingen, die Du Dir einbildest. Manche Furcht hat ihren Ursprung in Müdigkeit und Einsamkeit. Außer einer gesunden Selbstdisziplin sei nett mit Dir selbst. Du bist ein Kind des Universums, nicht weniger als es Bäume und Sterne gibt. Du hast ein Recht darauf hier zu sein. Und ob Du es begreifst oder nicht, das Universum entfaltet sich so, wie es sollte. Leb deshalb in Frieden mit Gott, wen immer Du dafür hältst, und leb in Frieden mit Deiner Seele, was immer Dein Tun und Streben im lärmigen Durcheinander des Lebens sei. Trotz aller Plackerei, aller Enttäuschungen und aller zerbrochenen Träume: Die Welt ist doch schön.

(DESIDERATA aus der alten ST. Pauls-Kirche, Baltimore von 1692 – Überlieferungsquelle unbekannt)

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